Stressbewältigung und Ernährung für Dienstreisende

„Ich schaff das schon allein.“ | Wieso dich dieser Satz besonders stressanfällig macht. | Denkmuster „Ich bin stark!“

„Sei stark!“ – Welches Motiv steckt hinter dem Glaubenssatz?

Stark sein – schon als Kind wird uns beigebracht möglichst immer stark zu sein. Sprüche wie „… dann wirst du groß und stark“ oder „einfach Augen zu und durch“ suggerieren uns: Es ist gut stark zu sein und in harten Situationen müssen wir uns durchbeißen.

Der positive Nutzen von „Ich bin stark!“

Biss und Durchhaltevermögen ist eine Charaktereigenschaft, die uns hilft anstrengende Phasen durchzustehen und schwere Aufgaben zu meistern. So lange wir diese Fähigkeit in gesundem Maße einsetzen, und nicht sofort das Handtuch schmeißen, profitieren wir davon.

Wird aus diesem Wunsch eine absolute Forderung, wird aus dieser persönlichen Einstellung ein Stressverstärker. „Sei beliebt!“ ist z.B. ein weiterer Stressverstärker, in dem es vor allem um Lieber und Anerkennung geht. Mehr dazu findest du in meinem letzten Blogbeitrag:

Wenn du das Gefühl hast, keinem gerecht zu werden | Stressmotiv – „Sei beliebt!“

Ähnlich wie im Stresssmotiv „Ich muss beliebt sein“, geht es auch bei dem Verstärker „Ich muss stark sein“ um einen überspitzen Wunsch nach Anerkennung. Zusätzlich verbirgt sich hinter diesem Stressverstärker der Wunsch nach Autonomie, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung.

Stark sein - Wann ist es ein Zeichen von Selbstständigkeit und wann wird es zur Selbstüberforderung? Sobald dieser Wunsch zur absoluten Forderung wird, birgt diese Einstellung ein hohes Stresspotential. Jede Situation in der wir und Schwäche eingestehen müssen, wird uns unangenehm und stresst uns.
Stark sein – Wann ist es ein Zeichen von Selbstständigkeit und wann wird es zur Selbstüberforderung?

Selbstständigkeit vs. Selbstüberforderung

Je nach dem wie stark wir davon überzeugt sind, stark sein zu müssen, befinden wir uns auf einem schmalen Grad zwischen Selbstständigkeit und Selbstüberforderung. Wo genau diese Grenze sich befindet ist sehr individuell und lässt sich nicht pauschalisieren.

Generell ist das Wort „muss“ ein guter Indikator dafür, ob wie das was dahinter kommt auch wirklich schaffen können oder uns eben auferlegen. Muss oder kann ich meine To Do Liste allein abarbeiten? Sage ich mir, dass ich mit meinen Ängsten alleine zurecht kommen kann oder muss?

Selbsttest

Mit diesem kurzen Selbsttest kannst du herausfinden, ob dieses Denkmotiv bei dir besonders stark ausgeprägt.

Wir sehr stimmst du folgenden Aussagen zu:

  1. Am liebsten mache ich alles selbst.
  2. Starke Menschen brauchen keine Hilfe.
  3. Wenn ich mich auf andere verlasse, bin ich verlassen.
  4. Ohne mich geht es nicht.
  5. Es ist schrecklich, auf andere angewiesen zu sein.
  6. Sorgen und Ängste trage ich meist mit mir selbst rum.
  7. „Ich mach das schon“ gehört zu meinem Standard Wortschatz.

Hast du bei (fast) allen Aussagen kräftig genickt? Dann bleib dran.

Personen die ein sehr ausgeprägtes Ich-muss-stark-sein-denken haben, empfinden Situationen, in denen sie von anderen abhängig oder hilfsbedürftig sind oder eigene Schwäche erleben, als besonders unangenehm.

Logisch – das Bild der eigenen Stärke und Unabhängigkeit muss jederzeit gewahrt werden. Dies bietet einen perfekten Nährboden für eine ordentliche Portion Stress, sofern dieses Bild gestört werden kann.

Mentales Stressmanagement – Lernen Schwäche zu zeigen

Da wir nun wissen wie das Motiv entsteht und wie es sich äußert, erkläre ich dir nun was du dagegen tun kannst.

Ziel: Lerne Unterstützung einzufordern und anzunehmen ohne dich dabei hilflos oder abhängig zu fühlen.

Was für viele nach einem Kinderspiel klingt, kann für Sei-stark-Menschen eine ziemliche Herausforderung sein.

Schritt  1: Muss-Stark-Sein-Liste erstellen

Schreibe dir eine Liste mit

  • Dingen, die du bislang allein erledigen „musst“ oder sie an dich nimmst nach dem Motto „lass sein, ich mach das schon selbst“
  • Gedanken oder Ängste, die du allein mit dir herumträgst
  • Tätigkeiten bei denen du jegliche Schwäche versteckst
  • Situationen, in denen du regelmäßig negative Emotionen unterdrückst

Schritt 2: Aus „Muss“ wird „Kann“

Nachdem du deine Liste erstellt hast, gehe sie in Ruhe durch und überlege an welche Stelle es dir gut tun würde, aus dem „muss“ ein „kann“ zu machen.

Schritt 3: Unterstützung suchen

Für die „Kann“-Punkte überlegst du nun, wer dich wie unterstützen kann. Entweder durch emotionale Unterstützung (Ängste, Probleme,…) oder durch das Delegieren von Aufgaben.

Dir fällt es schwer Aufgaben abzugeben? Dann fange klein an. Gebe zunächst kleine Aufgaben ab. Dinge, bei denen es keine schweren Konsequenzen gibt, wenn sie nicht oder nicht nach deinen Vorstellungen erledigt werden. Das können Dinge im Haushalt (Putzen, Müll raus bringen, einkaufen, kochen,…) sein oder kleine organisatorische Dinge, wie z.B. das Backen des Kuchens für die Feier im Kindergarten.

Hast du dich damit angefreundet, kannst du überlegen welche Aufgaben du im nächsten Schritt abgeben kannst. Vor allem Tätigkeiten, die nicht unbedingt deiner Stärke entsprechen oder du jemanden kennst, der es einfach noch besser kann. Das Delegieren von Aufgaben ist nicht nur ein Abschieben von Aufgaben, sondern auch eine Chance, jemand anderem, z.B. einem Kollegen, Vertrauen zu schenken.

Schritt 4: Neue Denkmuster manifestieren

Es ist wichtig Erfahrungen zu machen, die dir zeigen, dass du Unterstützung anderer annehmen kannst ohne dich dabei „klein machen“ zu müssen. Um diesen Lernprozess zu unterstützen können die folgende Gedanken helfen:

  • Ich darf auch mal Schwäche zeigen.
  • Schwächen sind menschlich.
  • Ich darf um Hilfe/Unterstützung bitten.
  • Es gibt Hilfe/Unterstützung für mich.
  • Ich gebe anderen die Chance, mich zu unterstützen.
  • Ich darf mich auch mal fallen lassen.
  • Ich darf/kann delegieren.
  • Ich darf/kann mich auf andere verlassen/anderen vertrauen.
  • Ich muss nicht alles selbst/allein machen.

Picke dir einen passenden Gedanken heraus (oder formuliere einen eigenen) und hole ihn dir immer wieder ins Gedächtnis. Denkmotive sind ein bisschen wie Gewohnheiten, da sie meist automatisch ablaufen. Die Autobahn deiner bisherigen Einstellungen sind besonders breit gebaut und leicht befahrbar.

Um neue Ansätze langfristig zu verinnerlichen ist es wichtig

a) achtsam für die auslösenden Situationen zu sein und

b) neue „Gedanken-Autobahnen“ durch wiederholtes manifestieren zu schaffen.

Meine Erfahrungen und Frage an Dich!

Ein Muss-Monster, was mich z.B. während meiner Masterarbeit begleitet hatte, war der Anspruch an mich selbst trotz MA und Arbeit, wie gewohnt Zeit für Sport, mein Gesangshobby, Kochen, Familie und Freunde zu haben. Mir einzugestehen, dass ich eben nicht immer die Powerfrau bin und das auch nicht sein muss? Das war nicht einfach, hat mir im Nachhinein aber unheimlich viel Druck genommen.

Was sind deine Muss-Stark-Sein-Monster? Schreibe es mir gerne in Kommentare!

 

 

3 replies to “„Ich schaff das schon allein.“ | Wieso dich dieser Satz besonders stressanfällig macht. | Denkmuster „Ich bin stark!“

  1. Sehr gut geschrieben. So war ich auch mein Leben lang drauf. Bis ich Burnout hatte. Jetzt arbeite ich seit 1,5 Jahren an einer gelasseneren Einstellung, die auch langsam Früchte trägt..

    Gefällt 1 Person

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