Wenn du das Gefühl hast, keinem gerecht zu werden | Stressmotiv – „Sei beliebt!“

Wie reagierst du in folgenden Situationen?

  • Du stößt auf Ablehnung, Kritik und Zurückweisung durch andere.
  • Du hast eine Meinung, die bei Äußerung zu Konflikten führen würde.
  • Du musst andere Menschen enttäuschen.

Bekommst du bei der Vorstellung solcher Situationen bereits ein unwohles Gefühl? Was sind deine Antworten?

Verteidigst du deine Interessen oder stellst du sie eher zurück, um nicht negativ aufzufallen? Scheust du dich vor Veränderungen, wenn diese auf Gegenwind stoßen könnten? Bist du bekannt als ein besonders hilfsbereiter Mensch? Ja, hast vielleicht sogar das Helfersyndrom?

Na, findest du dich darin wieder? Dann bleib jetzt unbedingt dran.

Jeder, der bei den oben gestellten Fragen zustimmend nicken musste, hat (oft nur unterbewusst) einen Glaubenssatz fest im Denken verankert: „Sei beliebt!“.

In diesem Blogbeitrag möchte ich dir erklären, woher dieser Glaubenssatz kommt, wieso es ein Stressverstärker ist und wie du ihn entschärfen kannst.

Wunsch oder absolute Forderung? Dies entscheidet darüber ob das Bedürfnis nach Anerkennung und Liebe zum Stressverstärker wird. Lerne das Motiv so zu regulieren, um Stress zu reduzieren.
Wunsch oder absolute Forderung? Dies entscheidet darüber ob das Bedürfnis nach Anerkennung und Liebe zum Stressverstärker wird.

Anerkennung & Liebe – Überlebenswichtig in der Steinzeit

Eigene Interessen zurück zu stellen und es jedem recht machen zu wollen, wird oft als Charakterschwäche oder mangelndem Selbstwert abgestempelt. Der Ursprung liegt jedoch in einer Zeit, in der es diese Begriffe noch nicht einmal gab.

In der Steinzeit war es für den Menschen überlebenswichtig von der Gruppe akzeptiert zu werden, um a) nicht zu verhungern und b) bei Gefahr von der Gruppe beschützt zu werden. Unser Wunsch nach Anerkennung, Zuneigung und Liebe rührt also aus einem Urinstinkt, der uns früher das Überleben gesichert hätte.

Urinstinkte in der modernen Welt

Zwar konnte ich keinen Steinzeit Menschen interviewen, glaube aber, dass es damals maximal eine Handvoll Anforderungen gab, die es zu erfüllen galt, um der Gruppe gerecht zu werden.

Heute leben wir in einer Zeit des Nahrungsüberflusses, müssen uns in aller Regel nicht vor physischer Gefahr gegenseitig beschützen. Statt dessen gibt es Anforderungen aus allen Ecken des Lebens: Familie, Freunde, Partner, Job, Hobbies – you name it.

Unsere Umwelt hat sich rasant verändert – unser Gehirn und unser Urinstinkt, sich der Gruppe anzupassen, ist dennoch geblieben.

Eine „Übermacht“ des Motivs erkennen

Stell dir das Motiv „Sei beliebt“ wie einen Regler in deinem Kopf vor, der dein Handeln beeinflusst. Jeder hat diesen Regler. Dennoch ist es sehr unterschiedlich stark ausgeprägt. Faktoren, die den Regler in die eine oder andere Richtung schieben sind bspw. dein Umfeld, die Erziehung deiner Eltern, und Erfahrungen (vor allem Erfahrungen aus der Kindheit).

Der Wunsch nach Zugehörigkeit, Anerkennung und Liebe ist auch in der heutigen Zeit wichtig, um ein stabiles soziales Netzwerk aufbauen und erhalten zu können. Beziehungen sind zwar nicht überlebenswichtig, tragen jedoch wesentlich zu unserer psychischen Gesundheit und zu unserem Wohlbefinden bei.

Wunsch oder absolute Forderung?

Wird dieser Wunsch jedoch zur absoluten Forderung, sprich der Regler ist viel zu hoch eingestellt, geht damit eine erhöhte Stressanfälligkeit einher. Dein System schlägt Alarm, sobald kleinste Abweichungen von deinem „Ich bin beliebt“-Motiv drohen.

Eine anstehende Diskussion im Job, die Bitte einer Freundin um Unterstützung (wofür du aktuell keine Kapazitäten hast) oder negative Kritik zu deinem Vortrag. Die Einstellung deines Reglers, entscheidet darüber, ob du solche Situationen als extremen Stress erlebst. Stress ist zu 90% k o p f s a c h e…

Stress reduzieren, durch Motiv-Entschärfung

Gerade im Job-Kontext ist es natürlich absolut notwendig und angemessen, Kompromisse zu schließen, auch mal nachzugeben und anderen zu helfen. Das Problem liegt hier auch nur in der Übertreibung. Ein „Zuviel des Guten“, das uns auf Dauer in die Selbstüberforderung und ins Burnout führt.

Die gute Nachricht: Du kannst lernen deinen Regler wieder zu neutralisieren.

Lernen, bedeutet es ist ein Prozess. Ein Prozess, der nicht von heute auf morgen geschieht. Je tiefer dein Verhalten bereits mit deinen inneren Motiven verwurzelt ist, desto intensiver der Lernprozess. Anders als bei einer Matheaufgabe, gibst du die Lösung vor. Es gibt kein richtig und kein falsch. Finde die für dich gesunde Einstellung deines Reglers („Sei beliebt“).

Strategien, die das „Sei beliebt“-Motiv regulieren

Wie kannst du nun das Motiv entschärfen? Das „was“ du dafür tun kannst ist relativ einfach und nicht überraschend:

  1. Lerne, dass du andere Menschen auch einmal enttäuschen darfst.
  2. Lerne, es auszuhalten, dass andere nicht immer deiner Meinung sind und sein müssen.
  3. Lerne, dass nicht jeder mit dir zufrieden sein muss.

Nur wie lässt sich das umsetzen?

Mein Tipp ist es, immer in kleinen Schritten voran zu gehen. Beginne bspw. damit bei kleinen Dingen einfach mal „Nein“ zu sagen. Am besten in einem Umfeld, in dem du dich nicht vor schweren Konsequenzen fürchten musst und in dem du dich sicher fühlst (z.B. innerhalb der Familie).

Hast du das über einen längeren Zeitraum geschafft, kannst du es auf deinen Job oder andere Lebensbereiche ausweiten. Das gleiche übst du Schritt für Schritt in Punkto Meinung sagen. Je häufiger du dies tust (und du wirst fest stellen, dass die Welt sich trotzdem weiter dreht) desto leichter wird es dir beim nächsten mal fallen.

Wenn es dir schwer fällt zu entscheiden ob du etwas ablehnen solltest, frage dich mal was deine Grenzen und Bedürfnisse sind. Welche Dinge/Personen im Leben sind dir so wichtig, dass du sie unter keinen Umständen vernachlässigen möchtest? Wenn du das weißt, kannst du in Zukunft alles ablehnen, was dir diesbezüglich in die Quere kommen würde.

Bevor du nun diesen Blogartikel schließt, der Alltag dich wieder hat und du dein Vorhaben wieder vergisst: Schnapp dir einen kleinen Zettel, notiere dir einen der folgenden Sätze und klebe ihn als Erinnerung an deinen Spiegel (oder wo auch immer du häufig vorbei kommst)!

  • Ich darf »nein« sagen.
  • Ich achte auf meine Grenzen/meine Bedürfnisse.
  • Ich sorge auch für mich.
  • Ich bin gut zu mir.
  • Ich darf andere enttäuschen.
  • Ich kann/will/muss es nicht allen recht machen.
  • Nicht alle anderen müssen mich mögen.
  • Kritik gehört dazu.
  • Ich darf kritisieren/ meine Meinung sagen
  • Ich darf kritisiert werden.

Merke: Je stärker sich das Motiv „Sei beliebt!“ eingebrannt hat, desto intensiver muss es mit dem geänderten Motiv „überschrieben“ werden.

Gesunde Stressbewältigung ist ein Lernprozess und kein Crash-Kurs!

War der Artikel spannend für dich? Ich hoffe ich konnte dir mit meinen Tipps wertvolle Anreize gebe und freu mich über Kommentare!

Du möchtest, dass ich dich bei deinem Lernprozess unterstütze und begleite? Dann kannst du mich gerne unter Mein Coaching & Kontakt kontaktieren.

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18 Gedanken zu “Wenn du das Gefühl hast, keinem gerecht zu werden | Stressmotiv – „Sei beliebt!“

  1. Hi liebe Silvia
    Das war wirklich ein mega interessanter Blogpost. Ich denke die meisten können sich in der einen oder anderen Situation wiederfinden.
    Besonders den Tipp „auch mal Nein zu sagen“ ist so wertvoll, leider wird er viel zu oft vergessen.
    Alles Liebe Lena

    Gefällt 1 Person

  2. „Ich darf Nein sagen“ habe ich ganz oben notiert. Denn das kann ich wirklich schlecht, auch wenn ich mir dadurch oft vielmehr Arbeit aufhalse…naja…es gibt eben immer etwas, das man verbessern kann!

    Liebe Grüße,
    Verena von whoismocca.com und thepawsometyroleans.com

    Gefällt 1 Person

  3. Ganz ganz toller und wichtiger Beitrag! Ich bin nun schon über 40 und nun kommt das alles, was Du beschreibst, bei mir durch. Ich kann nein sagen, mich interessiert nicht, was andere sagen und ich weiß, was ich will. Aber es war ein langer Weg, da hin zu kommen. Danke für diesen Beitrag, er ist ein toller Wegweiser.

    Liebe Grüße, Bea.

    Gefällt 1 Person

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