Sei Stark – Motivation oder Stress?

…dann wirst du groß und stark! …starke Leistung … wow, starker Typ … was für eine Powerfrau… Einfach Augen zu und durch! – Solche Komplimente und Sprüche hört und verteilt man selbst gern, oder?

Durchhaltevermögen zeigen und nicht sofort das Handtuch zu schmeißen ist eine tolle und wichtige Charaktereigenschaft, um Ziele zu erreichen und auch die schwierigen Phasen erfolgreich zu durchstehen. Nur so haben wir es in der Schule und im Studium geschafft die unbeliebten Fächer zu bestehen. Nur so habe ich die letzten Kilometer meines ersten Halbmarathons dieses Jahr durchgehalten. Und so weiter… Manchmal ist es unausweichlich die Realität so anzunehmen wie sie ist und die Zähne zusammen zu beißen, da die Rahmenbedingungen sich nicht ändern lassen. Manchmal – das heißt nicht immer!

Genauso wie Perfektionismus nur wohl dosiert gut für uns ist, so ist auch das Zeigen von Stärke („Ich schaffe das schon.“) nur bis zu einem bestimmten Punkt gut für uns. Die Gefahr besteht also nicht generell darin diese Charaktereigenschaft zu besitzen. Erst der übertriebene Glauben darin immer stark sein zu müssen kann ungesund werden.

Je mehr Aufgaben und Verpflichtungen sich in unserem Leben auftun, desto stärker wirkt sich dieser Glaubenssatz auf unser Stresslevel aus. Insbesondere dann, wenn wir uns nicht eingestehen, dass es vielleicht besser wäre einige der Aufgaben abzugeben oder Unterstützung von Familie oder Freunden einzufordern.

Du bist ein Mensch – keine Maschine

Sei ehrlich zu dir selbst. Würde es dein Stresslevel optimieren, wenn du bestimmte Dinge sein lassen oder abgeben würdest (auch wenn du sie theoretisch selbst schaffen könntest)?

Sieh es doch mal so: In dem du eine Aufgabe z.B. an eine gute Freundin abgibst, schenkst du ihr dein Vertrauen, was sich positiv auf eure Freundschaft auswirkt. Ich persönlich freue mich immer, wenn ich helfen kann. Und wer weiß – vielleicht dauert es gar nicht lang bis ich auch mal Unterstützung bei etwas benötige?

Daher ist es auch besonders wichtig ein starkes soziales Netzwerk zu haben. Es geht nicht darum möglichst viele Freunde zu haben, sondern viel wichtiger sind einige stabile Beziehungen auf die du dich immer zu 100% verlassen kannst. Optimaler Weise ist das mehr als eine Person, denn selbst ein maschinelles Triebwerk kann bekannter Weise mal ausfallen. Wir Menschen also erst recht 🙂

Tief verwurzelte Glaubenssätze wie dieser lassen sich nicht von heute auf morgen ändern. Sie zu erkennen und wahrzunehmen in ein erster und wichtiger Schritt.

In der Situation selbst handeln wir meist nach unserem gewohntem Muster ohne darüber nachzudenken bzw. es wäre auch zu spät, um nach Unterstützung zu fragen. Mein Tipp: Nutze den Sonntag Abend auf dem Sofa doch für eine kurze Wochenplanung:

  • Was ist zu erledigen? Unterscheide hier zwischen wichtig und dringend.
  • Welche Aufgaben sind mit besonderer Sorgfalt zu erledigen, wo kann ich Energie sparen?
  • Muss ich wirklich alles DIESE Woche erledigen oder können einige Dinge warten?
  • Gibt es Aufgaben, die ich abgeben oder mit jemandem zusammen erledigen kann?

Zusätzlich kannst du dir einen Merksatz dort aufhängen, wo du ihn am meisten benötigst (z.B. am Schreibtisch oder im Auto):

  • Ich darf auch mal Schwäche zeigen.
  • Ich darf um Hilfe/Unterstützung bitten.
  • Ich gebe anderen die Chance, mich zu unterstützen.
  • Ich darf mich auch mal fallen lassen.
  • Ich darf/kann delegieren.
  • Ich darf/kann mich auf andere verlassen/anderen vertrauen.
  • Ich muss nicht alles selbst/allein machen.

Mit diesem Impuls wünsche ich Dir einen guten Start in die neue Woche!

PS: Das gleiche gilt natürlich für alles was dich seelisch belastet. Seien es persönliche Ängste, Hilflosigkeit oder Belastungen z.B. durch schwere Krankheitsfälle in deinem engsten Kreis: Scheue dich nicht davor dir Hilfe von einer Vertrauensperson oder sogar professionelle Unterstützung zu holen. Tu es für dich 🙂


19 Gedanken zu “Sei Stark – Motivation oder Stress?

  1. Sehr guter Beitrag! Ich habe erst vor Kurzem ein Bericht gelesen über die Selbstmordrate in Japan gelesen. Dort gibt es sogar ein eigenes Wort für den Suizid durch Überforderung. Ich schreibe mir immer Listen und ordne alles in wichitg, weniger wichtig und nicht wichtig ein 😀 Das klappt echt gut und ich gönne mmir zu gerne Pausen 😉

    Liebe Grüße
    Nadine von tantedine.de

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  2. Du wirst lachen, aber seit kurzem setze ich mich sonntags hin, nehme den Kalender von den Kindern und uns und schaue, wann was ansteht. Wann haben wir Zeit um in Ruhe zu kochen? Wann muss es schnell gehen? Wann bin ich gar nicht da und die Kinder müssen sich alleine etwas zu essen machen? Dann kaufe ich dementsprechend ein und ein Punkt von der Stress-Liste als Mum ist schon abgehakt!
    VG Martina

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  3. Das hast du wirklich gut geschrieben und passende Worte gefunden. Ich bin momentan tatsächlich in der Situation, dass mir einiges über den Kopf wächst und ich es gerne abgeben würde – ich weiß bloß nicht an wen. Daher bleibt es liegen und belastet mich weiter. Aber ich denke positiv. Irgendwann wird es wieder ruhiger.
    Liebe Grüße
    Kathrin

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    1. Liebe Kathrin, ich hoffe es ist inzwischen schon etwas ruhiger geworden ist? 🙂 Wenn sich nichts abgeben lässt, versuche ich Dinge zu streichen dir evtl. nicht so wichtig sind. Dann wird vielleicht nicht jede Woche gründlich geputzt, sondern nur das gröbste. Natürlich kann ich nicht beurteilen, wie es bei dir aussieht. Drücke dir die Daumen, dass es eine entspanntere Weihnachtszeit wird!

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  4. Ein sehr gut geschriebener Beitrag – dieses Thema ist bei mir im Job auch ein sehr wichtiges (ich bin auch als Erfolgscoach tätig). Ich selbst versuche mich nicht zu überfordern … was bei ehrgeizigen und getriebenen Menschen wie mir gar nicht so leicht ist!

    Liebe Grüße
    Verena

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